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Weltpokal H

KK Belgrad vs. Rot-Weiß Zerbst
2 : 6

(8,5:15,5; 3745:3887)

Congor Baranj – Mathias Weber 2:2 (653:673), Igor Kovacic – Axel Schondelmaier 3:1 (640:613), Milos Simijonovic – Uros Stoklas 1:3 (630:640), Arpad Antal/61. Radovan Vlajkov – Timo Hoffmann/91. Torsten Reiser 0:4 (598:679); Goran Ostojic – Boris Benedik 0:4 (576:651), Jovan Calic – Thomas Schneider 2,5:1,5 (648:631)

Halbfinalübersicht

Weltpokal Männer 2014 in Koblach, Halbfinale – Freitag, 03.10.2014

Liveinfo: Im Trommelfeuer der Würfe behielten die Zerbster einen klaren Kopf, auch wenn Igor Kovacic von Axel Schondelmaier nicht zu halten war. Uros Stoklas setzte nach dem 170:185-Wahnsinn die feinen Nadelstiche und sicherte sich alle folgenden Sätze und drehte auch noch das Gesamtergebnis. Mathias Weber brauchte im 29. Wurf auf der letzten Bahn unbedingt eine Neun, er machte sie und legte als Bonbon noch eine drauf. Zerbst nahm drei Kegel mit ins Finale, was den Puls bei Sportwart Andreas Förster in die Höhe trieb. Was er und alle anderen in der Knoblacher Halle sahen, war ein Kabinettstück der Rot-Weißen. Timo Hoffmann zog Arpad Antal den Zahn und machte nach dem Wechsel bei den Gästen in stoischer Ruhe den Sack zu, sodass Torsten Reiser noch eingewechselt werden konnte, der seinerseits mit einem 176:160 zeigte, dass er offensichtlich rechtzeitig zu alter Stärke zurückfand. Ein Wechselduo, dass den Partiebestwert spielt – das gibt es fürwahr nicht alle Tage. Boris Benedik hatte keinerlei Erbarmen mit Goran Ostojic und spielte wie ein Uhrwerk, selbst im letzten (bedeutungslosen) Satz – 164:140. Calic und Schneider waren gleichstark, der Zerbster ließ nur zuviel in die Vollen liegen, sodass dieses Duell an den Belgrader ging.

Zerbst: Finale oho …

So feierten die Zerbster ihren Finaleinzug – in der Mitte Mathias Weber, der mit 673 Kegeln einen neuen Bahnrekord aufstellte. Foto: Thomas Zander

Die Kegler des SKV Rot-Weiß Zerbst stehen nach einer grandiosen Leistung im Halbfinale gegen Belgrad (6:2/3887:3745) im Finale um den Weltpokal im österreichischen Koblach.

Doch vor der Galavorstellung im Halbfinale stand die überaus schwere und bis zum letzten Wurf nicht gesicherte Qualifikation.

Timo Hoffmann schwor seine Jungs auf das Halbfinale gegen Belgrad emotional ein: „Jetzt beginnt ein völlig neuer Wettkampf. Eine andere Bahn und das Spiel Mann gegen Mann lassen die Qualifikations-Ergebnisse vergessen. Wir haben alles getan, damit wir hier stehen. Jetzt lasst uns einfach Gas geben und gewinnen."

Und genau das taten die Zerbster mit Bravour. Sie spielten von Beginn an wie aus einem Guss. Besonders Weber zelebrierte unter dem frenetischen Applaus der SKV-Fans, Team-Kollegen und auch der neutralen Zuschauer Kegeln wie von einem anderen Stern. Obwohl sein Gegenspieler lange stark gegenhielt, Baranj traf starke 653 Kegel, holte Weber mit neuem Bahnrekord von 673 Kegeln bei 2:2-Sätzen das erste Duell für den Titelverteidiger.

Auch Stoklas (3:1, 640) ließ sich nicht lumpen und gewann gegen Simijonovic (630) Duell Nummer zwei. Einzig Schondelmaier (1:3, 613), der zwar stark spielte, dessen Wurf aber nicht so „schlug" wie bei seinem Gegner, musste gegen Kovacic den Mannschaftspunkt abgeben.

Wer dachte, Belgrad könnte nun zur Aufholjagd blasen, täuschte sich mächtig.

Der zweite Durchgang des SKV drehte erneut gleich zu Beginn seiner Partie enorm auf und spielte die Serben förmlich an die Wand. Benedik entnervte Ostojic (576) und deklassierte ihn mit 4:0-Sätzen und tollen 651 Kegeln.

Thomas Schneider (1,5:2,5, 631), der erst am Abend zuvor in Koblach anreisen konnte, hatte seinen „Lieblingsgegner", Geburtstagskind Jovan Calic (648), am Rande einer Niederlage, musste sich aber doch knapp geschlagen geben.

Was aber Teamchef Hoffmann auf die Bahn zauberte, stand der Traum-Vorstellung von Weber nicht nach. Er zwang die Belgrader bereits auf der zweiten Bahn, den entnervten Antal auszuwechseln und hatte nach drei Bahnen seinen MP sicher. Aus taktischen Gründen gab er nun auch noch Torsten Reiser (zusammen 4:0, 679) eine Einsatzchance, der sich mit einer 176er Bahn bedankte und seinen Ärger über sein bisheriges Reservisten-Dasein in positive Energie umsetzte.

Schon während des Schluss-Durchgangs feierten die Rot-Weißen und ihre Fans auf der schönen Koblacher Anlage lautstark. Die Gesänge „Hier regiert der SKV ...", „Immer wieder SKV ..." und „Finale oho ..." hallten in den Nachmittagshimmel. Spieler, Offizielle und Fans tanzten auf de Bahn und lagen sich jubelnd in den Armen. Dass das Gesamtergebnis von 3887 Kegeln auch noch einen neuen Bahnrekord darstellte, war da nur Nebensache.

„Heute haben wir gezeigt, was wir wirklich drauf haben. Das war von der ersten Kugel an absolute Konzentration und unbändiger Siegeswillen. Wenn wir das morgen nochmal auf die Bahn bringen, ist die Titelverteidigung keine Utopie", blickte Kapitän Hoffmann schon auf das heutige Finale.

Dort treffen die Zerbster um 15 Uhr auf Szeged. Die Ungarn setzten sich im zweiten Halbfinale gegen St. Pölten mit 5:3 und 3793:3717-Kegeln durch.

Thomas Zander