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Rokycany 2019 – U18-WM – Team weiblich


Deutschland chancenlos, nur Selina Fuhrmann im Einzelfinale


Endstand

1. CZE 2276
2. AUT 2252
3. SLO 2234

4. SRB 2186, 5. SVK 2183, 6. POL 2196, 7. CRO 2187, 8. ROU 2158,
9. GER 2149 (Samantha Jones/547 127 130 135 155, Saskia Gubitz/ab 61. Roxanne Runzer/495 118 129 112 136, Selina Fuhrmann/567 132 150 149 136, Melina Ruß/540 134 136 128 142),10. ITA 2149, 11. HUN 2123, 12. FRA 2120

Samantha Jones verpasst Einzelfinale als 25. knapp

Die Tandem-Weltmeisterin von 2017, Samantha Jones vom KV Liedolsheim, begann den Mannschaftswettbewerb weiblich bei der ersten Entscheidung der U18-Weltmeisterschaften. Jones ist eine erfahrene Startspielerin, füllt sie doch diese Rolle auch in der 1. Bundesliga beim KVL aus.
Jones startete mit 91 in die Vollen und löste auch das erste Bild – eine offene Vier – in drei Wurf gekonnt. Dann ein erster kleiner Schreck. Samt Fehlwurf waren fünf Würfe für das zweite Bild notwendig. Die Tschechin Klara Tobolova hingegen spielt eine 165er Startbahn. Da Jones im 29. Wurf nicht mehr ins volle Bild kam, landete sie bei 127. Das hieß für sie nun: von hinten angreifen. Rumänien hatte am Start 585 vorgelegt, alle anderen Konkurrenten waren nicht weit voneinanderentfernt.
Auf der zweiten Bahn ließ der Angriff der Liedolsheimerin zunächst auf sich warten. Aber nach 55 auf 10 kam sie noch auf 85 Volle. Vier Wurf für das erste Bild ließen sie sichtlich hadern. Auch Tobolova hatte in diesem zweiten Durchgang zu kämpfen. Im 27. Wurf fiel endlich bei Jones die lang ersehnte "Neun", der eine offene Fünf folgte, wodurch sie nicht noch einmal ins volle Bild und auf 130 für die Bahn kam. Es war nicht der große Angriff, aber die letzten Würfe ließen Jones sichtlich entspannen. Hier ging noch was. Vorn aber Slowenien mit Iris Zoran (291) und Tschechien 289.
Auf der dritten Bahn spielte Jones 90 in die Vollen und kam nach zweimal Räumen in drei Wurf zur Neun, der allerdings wieder ein langwieriges Räumen im nächsten Bild samt dritten Fehlwurf folgte. So stand sie nach 27 Wurf bei 126 und kam schließlich auf 135. Trotz der Steigerung waren es nun schon 32 Kegel auf die bislang Dritten (Slowenien 424). Ganz vorn Tschechien mit 434 – und natürlich Rumänien, für die Julia Szabo mit 585 begonnen hatte.
Im finalen Satz setzte Jones ihre Steigerung mit 95 in die Vollen fort. Das Räumen blieb kompliziert – ein Start mit offener Vier, die sie aber in drei Wurf räumte. In Wurf 23 bekam sie noch einmal die Chance auf ein ordentliches Ergebnis mit einem gelungenen schwierigen Räumer. Sie ließ 8/1 und zweimal 7/2 folgen, belohnte sich mit einem letzten Bild, sechs Kegel auf 155 (Bestwert der Runde) und 547 gesamt. Puh! Deutschland reihte sich auf Platz 6 ein.

Deutschland muss frühzeitig den Joker ziehen

Im nächsten Durchgang folgte WM-Neuling Saskia Gubitz vom SSV Warmensteinach, betreut von der U18-Co-Nationaltrainerin Anke Ruhl.
Gubitz eröffnete mit 83 Vollen (SLO 98!) und einer offenen Vier. Durch den nervösen Beginn spielte auch sie der Musik erst einmal hinterher. Hoffnung aber machte, dass sie schon eine 600er-Spielerin ist mit einer persönlichen Bestleistung von 618 Kegeln. Doch das hier ist eine WM – was zu spüren war. Mit Wurf 24 kam sie nach einem Fehler erst auf 100 und schließlich auf 118. Statt auf die Konkurrenz zu schauen, musste sich das deutsche Lager mit dem Joker beschäftigen, um vielleicht noch ein Zeichen zu setzen – oder sollte es doch noch Gubitz gelingen, den Knoten platzen zu lassen?
84 Volle waren nicht Fisch noch Fleisch, aber das Räumen eröffnet sie mit einer Neun! Auch die offene Fünf putzte sie anschließend mit zwei Pärchen gekonnt. Im Wurf 25 leider aber auch der zweite Fehler, sodass es am Ende 129 wurden.
Wie erwartet wechselte Deutschland. Roxanne Runzer erlebte ihre besondere Feuertaufe. Dass sie Nerven hat, zeigte sie bei der Deutschen Meisterschaft 2018 in München, als sie im Finale ihre persönliche Bestleistung (583) aufstellte. 44 auf 10 in die Vollen waren allerdings nicht der erwartete Start. Nur 68 Volle, weil es ihr nicht gelang, die linke Gasse, die sie zu weit nach außen ansetzte, zu finden. Das gelang im Räumen wesentlich besser mit 6/3 und 7/2. Doch dann unterlief ihr der erste Fehler, aber das Kämpferherz war erwacht. Dennoch blieb der Wechsel ohne Wirkung – 112.
Ganz anders die letzte Bahn, Runzer spielt 97 in die Vollen. Im Räumen kam allerdings kein Ausreißer mehr hinzu, dafür ein Fehlwurf. Und mit einer abschließenden Zwei ins volle Bild blieb das Gesamtergebnis sogar unter der 500er-Marke. Die Medaillen-Post war natürlich längst abgefahren, Deutschland nur Elfter.
Eine Runde Pause und – Wunden lecken... Da Ungarn am Start war, begann Deutschland die zweite Hälfte der Konkurrenz von der Schlussposition in der Tabelle. Mit 607 für die Österreicherin Rita Zimmermann und 604 für die Ungarnin Kata Laszlo gab es in der Runde auch die ersten 600er zu bestaunen.

Selina Fuhrmann vertritt deutsche Farben im Einzelfinale

Nächste deutsche Starterin war Selina Fuhrmann, die 2017 in Dettenheim beim U14-Einzelweltpokal Silber im Paarwettkampf (mit Silvan Meinunger) gewonnen hatte. Sie begann mit 88 Vollen und zweimal Neun im Räumen. Im dritten Bild leistete sie sich zwei Fehler und stand nach 23 Wurf bei 115, am Ende bei 132. Schade, da war mehr drin. Für den Kampf um die Medaillen interessant: CZE und AUT spielten jeweils 147.
Mit einer Neun beendete Fuhrmann die zweiten Vollen mit 98, benötigt dann aber für das erste Bild fünf Versuche. Und weiter ging es wechselhaft. Einem 8/1 und einer Neun folgte ein Fehler, als Kegel 56 standen. Aber die Steigerung auf 150 durch einen klasse Wurf29, der sie noch einmal ins volle Bild brachte, machte Mut. CZE spielte 151, AUT 136 – das wren auch die ersten Medaillenkandidaten, die nach dieser Runde schon Schlussergebnisse aufweisen konnten.
Für die Einzel-Qualifikation war auch wichtig geworden: Samantha Jones als derzeit 16. In den letzten zwei Runden durften nur acht Sportlerinnen mehr als 547 Kegel erzielen, wenn Jones das Finale erreichen wollte. Auf einem viel besseren Weg war zu diesem Zeitpunkt Selina Fuhrmann mit erneut starken 96 Kegeln in die Vollen auf der dritten Bahn. Und auch im Räumen blieb sie in der Spur, legte sehr gute 149 nach und ging mit 431 – und damit klarem Finalkurs auf die letzte Bahn. Das sah auch bei CZE, AUT und SVK so aus, sodass sich die Chancen von Jones (547), das Einzel-Finale zu erreichen, auf zwei Starterinnen im Finaldurchgang reduzierten. Einem sehr guten Resultat spielte frühzeitig die Slowakin Vladimira Vavrova entgegen (16W – 566). Fuhrmann beendete die letzten Vollen mit 94, zeigte sich weiter konstant. Vaverkova spielte im 27. Wurf auf 602, hatte aber Kegel 456 zu stehen. Probleme, die Deutschland gern gehabt hätte. Fuhrmann erreichte mit 567 das Einzel-Finale, Deutschland war jetzt Zehnter.

Melina Ruß mit Einzelfinalchancen bis zum vorletzten Wurf...

Das letzte As für das Einzel-Finale war Schlussspielerin Melina Ruß. Noch war auch Samantha Jones als 22. mit 547 Kegeln dabei, aber es war absehbar, dass Leistungen über der 550 erst für das Finale reichen werden. Der Kampf um die Medaillen im Mannschaftswettbewerb blieb unglaublich spannend – die deutsche Mannschaft konnte da leider nicht mehr eingreifen.
Dafür Melina Ruß angreifen: Und das erfolgreich mit 99 Vollen. Es passte aber zum Tag für das deutsche Team, dass sie ins erste Bild gleich vier Fehler einbaute. Das Zittern um einen zweiten Einzel-Finalplatz ging nach 134 mit insgesamt fünf Fehlern weiter. Die 136 der letzten Slowenin als Bestwert der Medaillenteams forderte die (zuschauenden) Spitzenreiter Tschechien und Österreich nicht wirklich heraus, machte den Kampf um Bronze aber umso spannender.
Nach fünf Wurf auf der zweiten Bahn wechselte die Slowakei, weil sie nach 116/24 ihre Medaillenträume schwinden sah. Melina Ruß konnte an die ersten Vollen anknüpfen, spielte 91 Kegel – und auch das erste Bild fehlerfrei. Das blieb leider nur bis Wurf 29 so, sodass es am Ende 136 wurden. Damit gehörte Ruß zu einem Quartett, dass auf eine 540plus hinspielte. Das Zittern (um die Einzelplätze im Finale) hörte einfach nicht auf... und Gold und Silber für die Gastgeber und Österreich war immer wahrscheinlicher.
Vorletzte Bahn: Melina Ruß zeigte sich stabil in die Vollen mit 92 Kegeln und einer offenen Fünf zum Auftakt im Räumen. Slowenien befand sich klar auf Bronze-Kurs. Die großen deutschen Fragen: Spielt sich Russ noch ins Finale und was wird mit Samantha Jones? Im Schlussdurchgang blieben die großen Leistungen aus, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dann aber Melanie Ruß mit dem nächsten Fehler und der Quittung: 128.
Mit 398 war für Ruß das Einzelfinale vor den letzten 30 Wurf in weiter Ferne, aber sie konnte es im Gegensatz zu Jones noch selbst richten. Dazu brauchte sie aber eine mehr als überdurchschnittliche Bahn. Die Team-Medaillen indes waren vergeben: Gold für Tschechien, Silber für Österreich und Bronze für die Slowenien. Am Klassementende machte Italien uns Platz 9 auch noch streitig.
Die Vollen blieben Ruß' Stärke – wieder sehr gute 97, die Italienerin allerdings auch 99 und nur noch acht Kegel hinter Deutschland. Ruß' Schwäche blieb aber auch – das Räumen. Aber Samantha Jones zumindest könnte als 24. das Einzel-Finale gerade noch so erreichen... Im vorletzten Wurf hätte Ruß eine Zweierkombination räumen können, um noch mal ins volle Bild zu kommen. So aber schaffte nur Selina Fuhrmann als Neunte den Sprung ins Einzelfinale. Samatha Jones wird 25., Ruß 31. Deutschland wird kegelgleich mit Italien Neunter wegen der besseren Räumer.